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 Bulgarisch-Polnisches Air Policing Graf Ignatiewo (Bulgarien) 2015

Ende September erreicht den Autor eine Einladung der bulgarischen Luftstreitkräfte, mit der ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gehen soll: fliegende MiG-21 aus der Luft aufzunehmen. Anlaß ist ein gemeinsames bulgarisch-polnisches Training von Air-Policing-Missionen, wozu polnische MiG-29 nach Graf Ignatiewo verlegt haben, um gemeinsam mit den dort stationierten MiG-29, MiG-21 und Su-25 zu üben.

Allerdings gestaltet sich die Anreise am Vortag des für den 7. Oktober anberaumten Flugs mehr als hindernisreich. Um 5 Uhr morgens geht's los auf den Weg nach Berlin-Tegel und bis kurz nach 7 Uhr verläuft alles nach Plan. Die A115, die nach Berlin hineinführt, ist erreicht, als aus dem Radio die Schreckensmeldung dringt: Stadtautobahn A100 wegen nicht rechtzeitig abgeschlossener Bauarbeiten voll gesperrt, kilometerlanger Stau, Umleitungsstrecken überlastet. Und dann der erste Fehler: ich verlasse die Autobahn, um durch Potsdam den Flughafen zu erreichen. Anfänglich geht es noch flüssig, aber dann bremsen Bahnübergänge, Ampeln, Stadtverkehr das Vorwärtskommen. Der zweite Fehler: als im Radio gemeldet wurde, daß die Sperrung aufgehoben sei und der Verkehr - wenn auch weiterhin mit erheblichem Stau - wieder fließe, setze ich meinen Weg fort. Als das Stadtzentrum von Potsdam durchquert ist, bleiben noch gut anderthalb Stunden bis zum Abflug. Aber die B2 stadtauswärts ist zugestaut und hinein nach Berlin geht dann fast gar nichts mehr. Schrittempo, die Minuten verrinnen, die Zuversicht schwindet.

Endlich ist eine Brückenbaustelle passiert und der Verkehr fließt dreispurig in die Stadt hinein. Dennoch scheint der Weg bis zur Stadtautobahn kein Ende zu nehmen. Endlich ist die Auffahrt erreicht. Nur noch eine knappe Stunde bis zum Abflug. Auf der Autobahn zähfließender Verkehr, so daß es nochmals 10 Minuten dauert, ehe endlich die Zufahrt zum Flughafen in Sicht kommt. Hier der dritte Fehler: angesichts der fortgeschrittenen Zeit verzichte ich auf einen Blick auf die Anzeigetafel. Die Zufahrt ist teilweise gesperrt, der Verkehr quält sich im Schrittempo zum Terminal. Dann der nächste Schreck: sämtliche Parkhäuser voll, nur noch in P2 fünf Plätze. Dort angekommen, zeigt die Anzeige "0 freie Plätze. Nach gefühlten 100 Versuchen, doch einfahren zu können, der Entschluß: erst einmal zum Kurzzeitparkplatz in der Mitte des Terminals fahren und einchecken. Also einmal um den ganzen Einfahrtsbereich herumfahren und die Rampe hoch zum Parkplatz. Im Terminal angekommen die nächste Hiobsbotschaft: der Bulgaria-Air-Flug startet vom Terminal C und das sind gut und gern einige Hundert Meter von jetzigen Standort. Also rennen mit der schweren Reisetasche. Am Schalter angekommen, nimmt der Mitarbeiter meinen Ausweis entgegen, tippt etwas in den Computer und dann passiert nichts. Auf meine besorgte Frage lautet die Antwort: "der Flug ist überbucht, aber Sie kommen noch mit". Nur dauert es wieder eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich das Ticket in der Hand halte.

Noch eine halbe Stunde bis zum Abflug. Zurückrennen bis zum Kurzzeitparkplatz, Gebühr bezahlen und wieder eine Runde bis zum Parkplatz P5, wo sich an der Überfüllung nichts geändert hat. Vor mir fährt ein Auto ein, aber bei mir bleibt die Schranke hartnäckig. Gefühlte hundert Mal auf den Knopf gedrückt und doch blieb die Schranke zu. Jetzt stellt sich Verzweiflung ein. Nur noch 25 Minuten bis zum Abflug. Endlich geht die Schranke auf. Auto direkt hinter Schranke an den Straßenrand, Fototasche und Rucksack 'raus sind alles eins. Und dann wieder rennen mit Gepäck. Atemlos zur Personenkontrolle, wo die Schlange glücklicherweise kurz ist. Nervend langes Durchwühlen des Gepäcks, aber wenigstens heute keine Drogen- oder Sprengstoffkontrolle der Fotoausrüstung. Weiter zur Paßkontrolle. Zum Glück geht's auch hier schnell. Als ich durch bin, wird mein Name ausgerufen. Sofort zum Gate! Wieder rennen bis zum Boarding und dann nochmals übers Vorfeld, weil für die kurze Strecke bis zur bulgarischen Embraer kein Bus eingesetzt wird. Klatschnaß setze ich mich 5 Minuten vor der Abflugzeit auf meinen Fensterplatz in der letzten Reihe und durchsuche meine Taschen: der Autoschlüssel ist weg! Ich bitte die Stewardeß, bei Flughafenpersonal nachzufragen, aber es ist zu spät, nochmals zurückzugehen. Ich soll von Sofia aus das Fundbüro anrufen. Egal. Ich bin drin. Trotzdem die Sorge, daß jemand mit meinem Schlüssel mein Auto klauen könnte.

Doch dann läuft alles glatt: der Flug ist pünktlich, beim Durchsuchen meines Gepäcks finde ich den Autoschlüssel, die Fahrt mit dem Mietwagen nach Plowdiw verläuft entspannt und zügig. In Graf Ignatiewo scheint die Sonne und die Flugzeuge fliegen, wenn es an diesem Nachmittag auch "nur" Su-25 sind. Das Hotelzimmer ist wunschgemäß ruhig und der spätnachmittägliche Spaziergang durch Plowdiw findet bei sommerlichen Temperaturen statt.

Am nächsten Morgen hat sich eine stattliche Gruppe geladener Fotografen am Tor der Basis versammelt. Von dort aus geht es direkt zum Flugzeug, einer C-27J, die gerade aus Sofia eingeflogen ist. Die nächsten drei Stunden dienen der Vorbereitung, schließlich gilt es, die Arbeit von mehr als 15 Fotografen in einem mit geöffneter Heckklappe fliegenden Flugzeug zu organisieren. Da nicht alle Teilnehmer gleichzeitig fotografieren können, wird die Gruppe in zwei Teile geteilt, die dann abwechselnd an der Reihe sind. Also heißt es: Gurtzeug anlegen, Gruppen aufteilen, Sitzpositionen finden und vor allem, den Positionswechsel trainieren.

Kurz nach 11 Uhr geht es dann endlich los - mit gewaltigem Antritt beschleunigt der weitgehend leere Transporter. Allerdings ist immer noch Geduld angesagt, denn mehr als eine Stunde wird die Maschine als Zieldarsteller quer über Bulgarien fliegen, bis dann endlich Gelegenheit zum Fotografieren sein soll.

Als dann endlich die Heckklappe auffährt und die kalte Luft mit lautem Getöse hereinströmte, ist die Anspannung riesengroß. Werden die MiG-21 wirklich kommen? Werde ich zur richtigen Zeit mit Fotografieren 'dran sein, um auch tatsächlich ein paar schöne MiG-21-Bilder machen zu können. Zum Glück ist die rechte Reihe, in der ich sitze, zuerst dran. Doch beim Blick nach hinten ist zunächst nur ganz viel Himmel zu sehen. Dann tauchte sie auf - die erste MiG-21. Aber sie ist noch sehr, sehr weit weg. Trotzdem halte ich die Kamera 'drauf und "schieße Dauerfeuer". Wer weiß, ob sie überhaupt noch näher kommt. Und irgendwie tut sie das auch gar nicht. Dann endlich kommt Bewegung in die Sache. Die MiG-21 schließt immer mehr auf und ist endlich formatfüllend durch den Sucher meiner Kamera zu sehen. Ein unglaubliches Hochgefühl steigt in mir auf: eine MiG-21 richtig lange fliegen zu sehen, nicht einfach nur im Vorbeischießen. Immer wieder setze ich die Kamera ab, um das Motiv zu genießen: eine MiG-21 von der Sonne angestrahlt über den Wolken, gefühlt zum Greifen nah.

Zwischenzeitlich hat die zweite MiG-21 aufgeschlossen und ich versuche, das Paar in einer guten Position abzulichten. Das Bild, das sich bietet, ist einfach zu schön. Dann kurven die beiden Maschinen ab. Die 114, die direkt hinter uns fliegt, bekomme ich gut ins Bild. Die 243, die vom Heck der C-27 verdeckt wird, schießt plötzlich vor mir vorbei, so daß ich von ihr nur einen Schnappschuß machen kann. Kurze Zeit später nähern sich beide wieder an, zusammen mit den polnischen MiG-29. Bevor die Formation aber in Fotoreichweite kommt, ist Positionswechsel angesagt. Egal, ich habe was ich wollte und bin glücklich.

Als 10 Minuten später (die Zeitangaben erscheinen mir heute völlig unwirklich, aber am Zeitstempel der Bilddateien lassen sie sich natürlich genau nachvollziehen) meine Gruppe wieder an der Reihe ist, erwarte ich "nur" noch MiG-29. Um so größer ist die Freude, als die 114 noch einmal zügig zu uns aufschließt, sich mit ausgefahrenen Bremsklappen hinter uns positioniert und eine ganze Zeit dort bleibt, bis sie schließlich abkurvt, um nach "Graf" zurückzufliegen. Danach ist die "die Luft bei mir raus". Wohlig müde und zufrieden kehre ich auf meinen Platz zurück. Die folgenden Durchgänge mit polnischen und bulgarischen MiG-29, den bulgarischen MiG-29 allein und schließlich den Su-25 nehme ich nur noch eingeschränkt wahr. Die Begeisterung über das hautnahe Erleben der MiG-21 überstrahlt alles.

Nachfolgend einige Bildimpressionen eines erlebnisreichen Tages, der allen Streß im Vorfeld mehr als wert war.

Vorbereitung für den Flug: das Gurtzeug wird angelegt und anschließend der Wechsel der Positionen trainiert.

 

Das bange Warten hat ein Ende: die erste MiG-21 nähert sich dem Fotoflugzeug. Allerdings sollte es noch eine gefühlte Ewigkeit dauern, bis ein passender Fotoabstand erreicht ist.

 

Die MiG-21 kommt näher und bietet mit den R-60-Raketen und dem 800-Liter-Zusatzbehälter ein tolles Bild.

 

Endlich hat sie aufgeschlossen und bleibt auch lange genug dort, um "in Ruhe" schöne Bilder zu machen.

 

Die zweite Maschine hat ihre Position eingenommen und macht das Postkartenmotiv perfekt.

 

Nach dem Ende der ersten Formation kurvt die 114 ab. Während ich ihr Manöver von Anfang an verfolgen kann ...

 

... kommt die 243 aus dem toten Winkel und so reicht es nur für einen Schnappschuß.

 

Die Bildung der Formation aus polnischen MiG-29 und MiG-21 kann ich nur kurz verfolgen, dann ist die "zweite Schicht" dran.

 

Als ich meine Fotoposition wieder einnehmen darf, ist auch die 114 wieder da, schließt mit ausgefahrenen Bremsklappen auf, ...

 

... wechselt mehrfach die Position, ...

 

... fliegt unter uns ...

 

... und nochmals in einer losen Formation mit den polnischen MiG-29, ...

 

... um dann schließlich abzukurven und zur Heimatbasis zurückzukehren.

 

Sowohl die Polen als auch die Bulgaren sind jeweils mit einer doppelsitzigen ...

 

... und einer einsitzigen MiG-29 vertreten, ...

 

... die in Formation ein wirklich schönes Motiv bilden.

 

Die Formation kommt teilweise sehr nah an die C-27 heran, ...

 

... bevor dann die Maschinen nochmals einzeln "posieren" ...

 

... und schließlich abkurven.

 

Zum Schluß ist noch Gelegenheit, zwei Su-25 zu fotografieren, die mit UB-32 und Schreiberraketen fotogen ausgestattet sind.

 

Die letzten Bilder entstehen über Graf Ignatiewo.


Der Dank des Autors gilt allen Angehörigen der bulgarischen Luftstreitkräfte, die den Mitflug möglich machten, vor allem natürlich Generalmajor Rumen Radew.